MASTEKTOMIE
(radikale, totale und subkutane Mastektomie)

Der Begriff

Der Wortteil "Mas t" steht für die weibliche Brus t (Brustdrüse) und "ektomie" für "herausschneiden" bzw. vollständige operative Entfernung eines Organs.

Die Anatomie (= Lehre vom Körperaufbau) der (weiblichen) B rust

Weitere Begriffsdefinitionen

  • Modifizierte radikale Mastektomie: operative Entfernung der weiblichen Brus t mit Ausräumung der Achselhöhle
  • Totale Mastektomie: B rustentfernung (Ablat io ma mmae) unter Verzicht auf Ausräumung der axillären (= die Achselhöhle betreffenden) Lymphknoten
  • Subkutane Mastektomie: Exstirpation (= Entfernung) des Brustdrüsenkörpers unter Erhaltung der Mamille (= Brustwarze) sowie der Brusthaut samt Subkutis (= Unterhaut)
     

Relativ häufig treten nach radikaler Mastektomie (= operative Entfernung der weiblichen Brus t mit Ausräumung der Achselhöhle) wegen eines Mammakarzinoms starke Armschmerzen auf, bedingt durch Pl exuskompression (= Einengung des Armnervengeflechts) infolge einer Lymphabflußstörung. Der Arm ist dabei unübersehbar stark ödematös (= wie bei einer krankhaften Flüssigkeitsansammlung) aufgequollen (Lymphödem).  
Zur Förderung des Lymphabflusses wird der Ar
m mittels einer Handschlinge an einem Gestell (Bettgalgen, Infusionsständer) mehrere Tage permanent über die Horizontale angehoben. Zur Unterstützung der abschwellenden Maßnahmen dient die Gabe eines milden Diuretikums (= harntreibendes Mittel) sowie regelmäßige manuelle Lymphdrainage. 
Zusätzlich können interskalenäre
(= im seitlichen Halsbereich) Blockaden (= Betäubung en) des Plexus brachialis durchgeführt werden. 
Nach Teilabschwellung gelingt dann häufig die Implantation eines axillären Plexuskatheters* zur kontinuierlichen Blockade (Betäubung) des Plexus brachialis
(= Armnervengeflecht), der für weitere 10-14 Tage regelmäßig mehrmals täglich mit 10-15 ml Bupivacain bedient wird. 
Mit den genannten Therapiemaßnahmen kann in fast allen Fällen eine zufriedenstellende Schmerz
situation nach Mastektomie herbeigeführt werden, außerdem kommt es durch die Nervenblockadebehandlung zu einer weiteren Abschwellung des Armes.
Zur Behandlung kann auch die kontinuierliche, interskalenäre
(= zwischen Muskeln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachialis durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.

Eine Besonderheit stellt das Post mastektomie -Syndrom (= Krankheitszeichen nach einer operativen Brus tentfernung) dar, bei dem neben Narbenschmerzen in 30-50% auch Phantomphänomene verspürt werden (Strömbeck et Rosato 1987), in der Regel aber ohne schweren Phantomschmerz. Ein später einsetzender, anhaltender Schmerz muß immer auch an ein Tumorrezidiv (= Neubildung von Krebszellen) denken lassen. 
Die Behandlung erfolgt wie bei der Mastalgie (Mastodynie).

Armschmerzen nach Bestrahlung 
Heftige Plexusschmerzen (Plexalgie) mit neurologischen Defiziten
(= Zeichen einer Nerv enstörung, -schädigung) können auch Folge einer Röntgenbestrahlung der supraklavikulären (= oberhalb des Schlüsselbeins) oder Achselhöhlenregion bei B rustkrebs sein. Häufig wird in fortgeschrittenen Stadien eine solche Behandlung mit einer Mastektomie kombiniert. In der Regel ist das subkutane Gewebe derb fibrosiert (Strahlenfibrose (= Verhärtung des Hautuntergewebes)). Hinzu kann eine Lymphschwellung des Armes treten. Bei fehlender oder gering ausgeprägter Fibrosierung muß eine Plexuskarzinomatose (= Durchsetzung des Armnervengeflechts mit Tochtergeschwülsten) in Betracht gezogen werden. 
Die Behandlung ist sehr schwierig. Bei strahlenbedingten krankhaften Hautveränderungen ist das Entzündungsrisiko bei Durchführung von Nervenblockaden stark erhöht. 
Peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel die überwiegend nur im Schmerz bereich wirken) sind meist ungenügend wirksam, so daß man um die Verordnung von Opioide n (= im Gehirn / Rücken mark wirkende opiumähnliche Schmerzmittel) nicht herumkommt.
Nach Thoden (1987) bleiben nur die epidurale
(= rückenmarknahe) elektrische Rückenmarksreizung oder die hochzervikale Chordotomie (= operative Durchtrennung der Schmerz bahn im oberen Rückenmark).

*Methodenbeschreibung
Kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter

Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) nahe der Achselhöhle in die Nervenscheide des Armnervengeflechts eingepflanzt und innerhalb derselben noch weiter nach oben vorgeschoben. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. Während dem Einspritzen und noch kurze Zeit danach wird der Oberarm mit einer Manschette abgestaut, so daß die Betäubungsmittellösung innerhalb der Nervenscheide nach oben getrieben wird und so auch im Schulter -/Achselbereich schmerzlindernd wirken kann. 
Das Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen (z.B. forcierte Lymphdrainage) möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert, die entzündlichen oder degenerativen (= abnutzungsbedingten) Prozessen nachhaltig entgegenwirkt.

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